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NEUERWERBUNGEN KÖLNER MUSEEN

Blick auf Ostasien

Unter dem Titel «Für Köln gewonnen 1992 - 2002» präsentiert das Museum für Ostasiatische Kunst eine Auswahl der 620 Kunstwerke mit einem Gesamtwert von rund 6 Millionen Euro, die zwischen 1992 und 2002 in das Haus gelangt sind.

Vergöttlichter Laozi (Laojun). Kalkstein, H. 56 cm. China, Tang-Dynastie, spätes 7. bis frühes 8. Jh., Inv. Nr. Bc 92, 2. Erworben mit Mitteln des Fördererkreises des Museums für Ostasiatische Kunst und des Kultusministeriums des Landes Nordrhein-Westfalen

© by Museum für Ostasiatische Kunst Köln

Vergöttlichter Laozi (Laojun)
Kalkstein, H. 56 cm
China, Tang-Dynastie, spätes 7. bis frühes 8. Jh., Inv. Nr. Bc 92, 2.

Dabei handelt es sich um Schenkungen privater Stifter sowie Neuerwerbungen, die der Fördererkreis des Museums für Ostasiatische Kunst, die Orientstiftung zur Förderung ostasiatischer Kunst und die Gerda Henkel Stiftung, ermöglichten. Zu den ehrgeizigsten Ankaufsprojekten zählte der Erwerb der Sammlung chinesischer und japanischer Schriftkunst von Heinz Götze, der mit der Unterstützung der Kulturstiftung der Länder, der Stiftung Kunst und Kultur des Landes Nordrhein-Westfalen, der Stadtsparkasse Köln sowie weiterer staatlicher Geldgeber finanziert werden konnte. Bei den ausgestellten Exponaten handelt es sich sowohl um herausragende Einzelobjekte als auch um ganze Sammlungskomplexe.

Die Ausstellung ist in Themengruppen gegliedert und gibt Einblick in die Malerei und Kalligraphie der chinesischen und japanischen Literatenkünstler, die Schätze der Gelehrtenstudios, die höfische Tradition in der japanischen Kunst des 17. und 18. Jahrhunderts, buddhistische Skulpturen und Malerei sowie Porzellan und Textilkunst. Im Bereich der Textilkunst ragt neben japanischen Mönchsroben die Staatsrobe einer chinesischen Konkubine heraus. Den europäischen Blick auf Ostasien dokumentieren seltene, mit Kupferstichen illustrierte Reiseberichte aus dem 17. bis 18. Jahrhundert und Reisefotografien des späten 19. Jahrhunderts.

Wichtige Neuerwerbung im Rautenstrauch-Joest-Museum
Ein Fußabdruck Buddhas, Burma 18.-19. Jahrhundert

Die buddhistische Sammlung des Rautenstrauch-Joest-Museums hat dank einer großzügigen Spende der Kölner Kulturstiftung der Kreissparkasse Köln eine wichtige Neuerwerbung zu vermelden: einen «Fußabdruck Buddhas», in Sanskrit: Buddhapada. Die monumentale, eineinhalb Meter hohe lotosblattförmige Steinplatte aus dem Burma des 18./19. Jahrhunderts zeigt in flachem Relief einen Fußabdruck Buddhas. Mit dieser Fußspur hat Buddha, der «Erleuchtete», den Gläubigen nicht nur die schlichte Form einer Fußsohle hinterlassen, sondern einen wichtigen Teil seiner Lehre, die er mit seinem Fuß dem Boden symbolisch eingeprägt hat.

«Fußabdruck Buddhas», Burma 18./19. Jahrhundert

© by Rautenstrauch-Joest-Museum Köln

«Fußabdruck Buddhas», Burma 18./19. Jahrhundert

Die Einzelformen des Fußes sind abstrahiert mit gleich langen Zehen, deren Dicker Zeh, und damit der Abdruck des rechten bzw. wie in diesem Fall des linken Fußes, deutlich gekennzeichnet ist. Charakteristisch für den Abdruck der Fußsohle sind die 108 glückbringenden Embleme, die rasterförmig angeordnet sind. Sie versinnbildlichen buddhistische Vorstellungen über den Kosmos, dessen blütenförmige - nicht geometrische - Mitte von hierarchisch geordneten Himmeln umgeben ist. Die Himmel, die durch kleine Pavillons repräsentiert werden, sind als Durchgangsstadien für den Gläubigen zu verstehen. Zum buddhistischen Weltbild gehören ferner die Sieben Gebirge und Sieben Ozeane, die Vier Kontinente, die Sonne und der Mond, halbgöttliche, menschliche, tierische Wesen und dazu Pflanzen. Die Fußspur Buddhas wird umrahmt und verehrt von zwei Nagas, Schlangen, die als Naturgottheiten angesehen werden und im Dunkeln der Erde leben.

Das seltene Relief ist ein Schlüsselstück für die in der Öffentlichkeit bisher wenig bekannte Sammlung buddhistischer Kunst im Rautenstrauch-Joest-Museum. Der monumentale Fußabdruck ist in den Arkaden des Museums neben dem Haupteingang - wie in einem Schaufenster - ausgestellt und kann von jedem en passant besichtigt werden.

Im indisch beeinflußten Kulturraum ist die Spur oder der Abdruck von Buddhas Fuß seit alter Zeit ein wichtiges Symbol, das stellvertretend für Buddha selbst steht. In seiner Fußspur bleibt Buddha den Gläubigen wie in einer Reliquie gegenwärtig, während er ansonsten in das Nirwana, in das "Erlöschen", eingegangen ist, in dem er nicht mehr angerufen werden kann. Der Typus des Fußabdrucks entstand zu einer Zeit, als man Buddha noch nicht bildlich als Person darstellte, sondern nur stellvertretend durch Symbole. Zwar ist der Buddhismus in seinem Ursprungsland Indien ausgestorben, aber auch heute noch wird der Fußabdruck Buddhas von Gläubigen in den Ländern des südlichen Buddhismus verehrt. Ein monumentales Beispiel eines Fußabdrucks wie der des Rautenstrauch-Joest-Museums war sicher in einem eigenen Schrein in einem Tempel aufgestellt. Aber auch zu Hause wurde der Fußabdruck Buddhas verehrt. So sagen beispielsweise burmesische Kinder vor dem Schlafengehen ein Gebet zu Buddhas Fußabdruck auf.

Ausstellung im Museum für Ostasiatische Kunst Köln bis 26. Februar 2003; Dienstag bis Sonntag von 11:00 - 17:00 Uhr, Donnerstags bis 20:00 Uhr geöffnet (www.museenkoeln.de).

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