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KUNSTSCHÄTZE EINER TAUSENDJÄHRIGEN KULTUR

Faszination Vietnam. Götter, Helden, Ahnen

Mit der Ausstellung über die Geschichte und Kultur Vietnams wird erstmals ein Land in das Bewusstsein einer breiten Öffentlichkeit gerückt, dessen Schicksal wir vor allem mit kriegerischen Ereignissen in Zusammenhang bringen.

Thien Mu Pagode, Hue, Vietnam

Thien Mu Pagode, Hue, Vietnam.

Die Kunsthalle Leoben zeigt erstmals, dass Vietnam ein von hoher Kultur, Tradition, religiöser Frömmigkeit, Kunst und Kunsthandwerk und einer sich immer stärker entwickelnden Wirtschaftsleistung gekennzeichnet ist. Die Ausstellung ermöglicht eine Reise in ein Land, dessen landschaftliche Schönheit und die Freundlichkeit seiner Bevölkerung jeden Besucher faszinieren so der Generaldirektor des Kunsthistorischen Museums in Wien, Wilfried Seipel. Bei dem Namen Vietnam denkt manch einer an Lebensfreude, an zauberhafte Landschaften, an Berge und Pagoden, die sich in Seen spiegeln, an Dörfer inmitten von Bambushainen und jadegrüner Reisfelder. Für andere wieder sind sie gleichbedeutend mit Kriegsgräuel und suggerieren den Kampf eines Volkes um seine Unabhängigkeit.

Vietnam ist für uns deshalb so faszinierend, weil es nie gewaltsame Auseinandersetzungen zwischen den verschiedenen Religionen gab (Buddhismus, Taoismus und Konfuzianismus) sowie auch nicht zwischen den ethnischen Gruppen. Krieg wurde nur gegen Feinde von außen geführt: gegen China, die Mongolen, Champa, Franzosen und Amerikaner. Diese bedrohten die Unabhängigkeit dieses freiheitsliebenden Volkes meint der wissenschaftliche Kurator der diesjährigen Ausstellung Christian Schicklgruber.

Das durch Monsune und Taifune bestimmte Land erstreckt sich über eine Länge von 1.600 Kilometer im Osten der Indochinesischen Halbinsel. Im vietnamesischen Staat treffen indische und chinesische Kulturen aufeinander. Dabei wurde aufgrund der tausendjährigen Herrschaft Chinas der Stempel dieser Kultur Vietnam besonders stark aufgedrückt.

Marble  Mountain, Danang, Vietnam

Marble Mountain, Danang, Vietnam.

Die Ausstellung in der Kunsthalle Leoben will den Reichtum und die Vielfalt von Kunst, Kultur und Religion in Vietnam an hand von insgesamt 670 einzigartigen Objekten aus insgesamt 18 europäischen und vietnamesischen Museen vor Augen führen. Ein Überblick über 2.500 Jahre Geschichte dieses Landes bis zur Entstehung der vietnamesischen Nation im 19. Jahrhundert, über die Erweiterung nach Süden bis zum Anschluss des Königreiches Champa und von Cochinchina. Es werden aber auch vier der 54 Volksgruppen Vietnams vorgestellt: die Dao, die Muong, die Hoa und die Viet. Die ethnische Identität jeder Gruppe zeigt sich in ihrer Sprache, ihrer Schrift, ihrer Religion, ihren Zeremonien und Festen sowie im Handwerk, in der Musik und der Kleidung.

Die ethnologisch erfasste vietnamesische Geschichte beginnt mit der bronzezeitlichen Dong Son-Kultur (500 v. Chr. 100 n.Chr.). Als bedeutendste Objekte dieser Epoche gelten die wunderbar verzierten Bronzetrommeln, von denen die Ngoc Lu II als Nationalheiligtum betrachtet wird, und nach den Ausstellungen in Europa nie mehr außer Landes gezeigt werden. Die chinesische Herrschaft der Han-Dynastie auf das Königreich Nam Viet ab dem Jahre 111 v. Chr. zeigt sich vor allem in den beeindruckenden Grabbeigaben und Keramiken. Die im 1. Jahrtausend n.Chr. im heutigen zentralen Teil von Vietnam entstanden Staaten Champa und Fu Nan, waren durch die Handelsbeziehungen mit Indien geprägt. Hier konnten der Buddhismus und die hinduistische Kultur Fuß fassen. Wertvolle Schmuckstücke, Götterstatuen aus Bronze und Stein sind bemerkenswerte Beispiele dieser frühen Staatskultur. Die ersten großen und länger unabhängig herrschenden vietnamesischen Dynastien der Ly (1009 1225) und der Tran (1225 1400) sind heute noch durch die Literatur zu Ehren des Philosophen Konfuzius und zahlreiche buddhistische Pagoden sichtbar. Als dritte große Dynastie konnte sich die Le ab dem frühen 15. Jahrhundert etablieren. Die Keramikkunst erlebte damals ihren ersten Höhepunkt. Die blau-weiße Keramik, die als bleus de Huè bezeichnet wird, wird erst im 18. und 19. Jahrhundert von den vietnamesischen Kaisern aus China importiert. Im 17. und 18. Jahrhundert folgte eine für das Land sehr turbulente Periode, in der zahlreiche adelige Kriegsherren die Geschicke des Landes bestimmten. In dieser Zeit konnten sich auch zwei starke Herrscherhäuser. Die Macht lag in den Händen der Trinh-Familie im Norden und der der Nguyen-Dynastie im Süden des Landes. Die Ausstellung zeigt Objekte aus dieser Ära, die sowohl das Leben am Hof als auch jenes im Dorf widerspiegeln. Die beiden großen Kriege des 20. Jahrhunderts gegen die Franzosen und die Amerikaner werden durch historische Waffen, Texte und vor allem durch persönliche Zeugnisse des Leides der vietnamesischen Bevölkerung dokumentiert.

In Zusammenarbeit mit dem Kunsthistorischen Museum in Wien konnte in Kooperation mit vietnamesischen und europäischen Leihgebern diese Ausstellung zusammengestellt werden. Zu den Leihgebern gehören die bedeutendsten vietnamesischen Museen und 18 europäische Museen, darunter das Musées Royaux d Art et d Histoire in Brüssel, das Victoria & Albert Museum in London, das Musée Guimet in Paris und das Museum für Völkerkunde in Wien.

Die Ausstellung ist vom 03. April bis 01. November 2004 in der Kunsthalle Loeben (Österreich), Kirchgasse 6, täglich von 09:00 bis 18:00 Uhr zu sehen (www.leoben.at/vietnam/).

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