Einmalige Einblicke in die eigenartige Vielfalt von «Birmas Lackkunst in deutschen Museen» gewinnt der Besucher der Sonderausstellung. Zum allerersten Mal führt hier das Museum für Lackkunst wertvolle Stücke aus dem eigenen Bestand mit herausragenden Leihgaben aus den bedeutendsten Museen für Völkerkunde zusammen.
Voraus ging eine gezielte Auswahl und wissenschaftliche Bewertung der in den deutschen Depots schlummernden Kostbarkeiten durch die Kuratorin der Ausstellung. Die großzügige Aufgeschlossenheit der angesprochenen Leihgeber gegenüber dem Projekt hat diese umfassende Präsentation möglich gemacht. Die in Münster ausgestellten 58 hervorragend erhaltenen Objekte vermitteln einen großartigen Gesamteindruck von den spezifischen Formen und Farben sowie mannigfaltigen Anwendungsbereichen birmanischer Lackgestaltung. Zu entdecken ist vorwiegend dekoratives Haushalts- und Sakralgerät, dazu eine Reihe Prunkstücke von hohem Seltenheitswert, da sie in Birma allein dem höfischen und dem klösterlichen Bereich vorbehalten waren.
Die vorwiegend von deutschen Kaufleuten, Völkerkundlern und Privatsammlern zusammengetragenen und den Museen übereigneten Ausstellungsstücke stammen zumeist aus dem 19. und 20. Jahrhundert. Ältere Arbeiten sind bei deutschen Museen kaum anzutreffen. Das hängt wesentlich mit dem in Birma üblichen Alltagsgebrauch lackierter Gegenstände zusammen. Schadhaft geworden, werden sie einfach entsorgt. Solch oft kunstvoll gestaltetes Gerät vor dem Zerfall zu retten und der Nachwelt zu bewahren, kam erst europäischen Besuchern in den Sinn, die während der letzten 200 Jahre das vordem kaum zugängliche Land bereisten und im Laufe der Zeit eine beachtliche Anzahl lackierter Objekte erwarben.
Das Überziehen alltäglicher Utensilien mit dem Saft des in Südostasien heimischen Lackbaumes reizte die Kreativität birmanischer Handwerker zu eigenwilligen Experimenten. Zur Schutzfunktion des Lacks fügten sie fein ausgestaltete Dekore. Bei den üppig mit Gold, Glasstückchen und Edelsteinen verzierten Votivgefäßen, prunkvollen Truhen und kostbaren Buddha-Figuren für Königshof und Klöster waren dem Einfallsreichtum der Künstler kaum Grenzen gesetzt. Vom zierlichen Brillenfutteral mit der Signatur des berühmten Lackkünstlers U Tha Shein vom Jahre 1903 aus dem Stuttgarter Linden-Museum bis zu einem vergoldeten meterhohen Votivgefäß mit eingelegten Glasstückchen aus dem Völkerkunde-Museum in München bietet die Ausstellung ein Panorama ganz unterschiedlich in Material, Form und Farbe gestalteter
Figuren, Behälter, Instrumente - zuweilen von einzigartiger Skurrilität oder hintergründiger Symbolik: so der Juwelenbehälter in Form eines Schlangendrachens, die Zither in Gestalt eines Krokodils, die Beteldose mit dem Acht-Planeten-Dekor.
Der von der Kuratorin sorgsam erarbeitete Katalog zur Ausstellung erschließt die Tradition, die Entwicklung, vor allem die Wesenszüge birmanischer Lackkunst. Darüber hinaus vermittelt er Einblicke in die vielseitigen Facetten der maßgeblich vom Buddhismus geprägten Kultur von Birma. Sie blieb den Europäern bisher weitaus verschlossener als etwa das kulturelle Erbe von
Thailand, Japan oder China.
Die Ausstellung «Birmas Lackkunst in deutschen Museen» ist im Museum für Lackkunst, Windthorststraße 26, 48143 Münster (www.museum-fuer-lackkunst.de), eine Einrichtung der BASF Coatings AG, die darüber hinaus eine weltweit einzigartige Sammlung von Lackkunst aus Ostasien, Europa und der islamischen Welt mit Objekten aus über zwei Jahrtausenden beherbergt, vom 16. Januar 2005 bis 17. April 2005 zu sehen und wird von einem Ausstellungsband begleitet.
|